Pläne - Oder es kommt ohnehin meist anders, als man denkt

Veröffentlicht am 13. August 2023 um 11:14

Am Freitag habe ich mal wieder zu meinen Farben gegriffen. Zwei Leinwände, die schon seit einiger Zeit vorbereitet waren, wollte ich endlich fertig stellen. Und ein Bild hatte ich schon seit paar Tagen im Kopf, wollte es endlich "befreien" und auf die Leinwand bringen. Ich hatte jeweils genaue Pläne, wie die Ergebnisse aussehen sollten. Soviel vorweg - von drei genau geplanten Bildern schaut heute nur eines so aus, wie ich es ursprünglich geplant hatte.

Das Bild, das ich im Kopf hatte, wollte ich einfach mit dem Spachtel gestallten. Eine wunderbar meditative Arbeit. Ich hatte die Farben genau im Kopf, Kadmiumgelb, Weiß und Phthaloblau sollten es werden. Ich hatte das fertige Bild vor Auge, die Aufteilung - wo vermischen sich die Farben, wo bleiben sie unvermischt. Ja nun - wie du sehen kannst, hat es das Blau nicht mit auf die Leinwand geschafft. Während des Tuns ist mein Plan immer mehr in den Hintergrund getreten, bis er schließlich ganz verschwunden war. Übrig geblieben ist Bild in nur zwei Farben, und trotzdem ist was los auf der Leinwand. Und mein Plan? Lauert er noch auf seine Umsetzung? Will ICH ihn noch umsetzen? Nein, ich bin mit der Richtung, in die sich das Bild entwickelt hat total zufrieden. Mein Lebensgefährte meint, dass das Bild noch nicht fertig ist. Aber für mich ist es das. Ich lasse es so, weil es mir so wie es ist, einfach gut gefällt. Plan hin oder her 😊

Bei diesem Bild hatte ich die Leinwand schon vor einigen Wochen mit der Modellierpaste vorbereitet. Auch hier hatte ich die Farben im Kopf und - soviel sei gesagt - Grau wahr ursprünglich nicht dabei. Geplant hatte ich ein dunkles Braun zu den Violett- und Rosé-Tönen. Abgerundet mit Blattgold an einigen Stellen. Aber was ist schon ein Plan, oder? Gearbeitet habe ich mit flüssigen Acrylfarben - und so sind dann auch die Farbklekse entstanden. Nicht weil ich so unglaublich kreativ wäre, sondern weil ich ab und zu einfach unglaublich ungeschickt bin. Beim Zuschrauben habe ich die Flasche zu schräg gehalten, weil ich mich auf's Bild konzentriert hatte - und schon war es passiert: Dunkelviolette Farbklekse, die so gar nicht geplant waren. Wie also damit umgehen? Das Beste draus machen natürlich, was bleibt einem sonst übrig? Wie geht dieser Spruch noch? "Es lohnt sich nicht, über verschüttete Milch (in meinen Fall eben Farbe 😉) zu jammern"? Also noch Farbklekse in Rosé drauf, garniert mit Weiß. Und nachdem Blattgold bei diesen Farben so gar nicht mehr passt, habe ich auch diesen Plan verworfen, und Blattmetall in Silber verwendet.

Wie gehst du damit um, wenn Pläne nicht aufgehen? Natürlich sind meine Beispiele mit den Bildern keine große Sache. Trotzdem lassen sich Parallelen zum Leben ziehen. Beim ersten Bild habe ich meinen Plan im Laufe des Mal-Prozesses selbst und aus mir heraus geändert. Für die zweite Farbe (das Blau) war plötzlich kein Platz mehr. Es hätte sich nicht mehr stimmig angefühlt, das Blau hätte mich gestört.

Solche Situationen im Leben haben wir bestimmt schon alle erlebt. Vielleicht hattest du eine bestimmte Ausbildung geplant. Du hast auch begonnen damit, bist aber im Laufe der Zeit drauf gekommen, dass das eigentlich für dich so gar nicht mehr passt. Weil du dich vielleicht in eine ganz andere Richtung entwickelt hast, sich deine Interessen oder auch deine Ideale oder Werte verändert haben. Wie gehst du damit um? Lässt Dein Perfektionismus es zu, erlaubst du Dir, von Plänen abzuweichen? Wie reagiert dein Umfeld, wenn du von Plänen abweichst? Verständnisvoll? Oder wird verlangt, dass du weiter machst?

Bei meinem zweiten Bild wurde mir die Entscheidung "abgenommen". Ab einem bestimmten Punkt (die Ungeschicklichkeit beim Zuschrauben der Flasche) ist die Entwicklung des Bildes quasi von einem "Unfall" bestimmt worden.

Und auch das gibt es im Leben immer wieder. Plötzlich haben wir es nicht mehr in der Hand, können nur noch zusehen, wie sich unsere Pläne in Nichts auflösen. Den Ausbildungsplatz bekommt vielleicht jemand anderer, die Beziehung endet, eine ungeplante Schwangerschaft, ein Unfall oder eine Erkrankung (auf körperlicher oder psychischer Ebene) durchkreuzen unsere Pläne. Aber muss das immer etwas Schlechtes sein? Welche anderen, neue Chancen ergeben sich daraus? Vielleicht sind es plötzlich Möglichkeiten, die Du so noch gar nicht in Betracht gezogen hattest. Du hattest ja schließlich einen Plan. 

Aber vielleicht wärst du ohne diesen Weckruf nicht aufgewacht? Vielleicht wolltest du insgeheim schon länger was ganz anderes machen und hast dadurch jetzt die Möglichkeit dazu?

Ich denke, wann immer ein Plan nicht aufgeht, haben wir selbst es in der Hand. Versinken wir in Selbstmitleid? Oder sind wir offen für die neuen Möglichkeiten? Trauen wir uns, in eine ganz neue Richtung zu gehen? Und trauen wir es uns ZU, noch einmal etwas Neues anzufangen?

In solchen Situationen kann es durchaus passieren, dass man alleine keinen Ausweg findet und sich überfordert fühlt. Aber niemand MUSS alles alleine schaffen. Wenn du in einer solchen Situation bist, melde dich gerne bei mir! Gemeinsam schauen wir uns an, wo du stehst, wohin du willst, und welche die ersten Schritte in die richtige Richtung sind!

Ach ja - und noch ein Plan ist mir nicht aufgegangen: in meinem zweiten Blog Artikel wollte ich eigentlich ohne Bezug zur Malerei auskommen 😉

Liebe Grüße an Dich und noch einen schönen Sonntag!

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