Sommer, Sonne, Urlaubszeit. An kaum eine andere Zeit im Jahr sind so hohe Erwartungen geknüpft, wie an den heiß ersehnten und wohl verdienten Urlaub.
Man freut sich das ganze Jahr auf die zwei Wochen am Meer, in den Bergen oder den City Tripp.
Wenn man nicht alleine in den Urlaub fährt, kann sich schon die gemeinsame Planung als Herausforderung erweisen. Vielleicht möchte der Partner oder die Freundin etwas ganz anderes, als man selber im Kopf hat. Denn auch die Urlaubsbegleitung hat sich das ganze Jahr auf diesen Urlaub gefreut, und bringt natürlich auch ihre/seine Erwartungen an die schönste Zeit im Jahr mit. Hat man sich schließlich auf ein gemeinsames Urlaubsziel geeinigt, passt man die eigenen Erwartungen an den nun gebuchten Urlaub an. Aber eben nicht nur man selbst, sondern auch die Reisebegleitung.
Nun ist der Tag gekommen. Die Koffer werden gepackt und voller Vorfreude startet man los. Mit im Gepäck sind natürlich die Erwartungen, wie der Urlaub sein wird - oder besser gesagt wie er "zu sein hat".
Und dann passiert's - vielleicht schon bei der Anreise - der Flug hat ein paar Stunden Verspätung, oder der Zug wird gestrichen. Und schon sind die Pläne für den ersten Tag oder Abend vielleicht nicht mehr umsetzbar.
Wie reagierst Du darauf? Lässt Du Dir davon schon den ersten Tag vermiesen und hast dann gleich weitere Szenarien im Kopf, was sonst noch alles schief gehen wird? Oder nimmst Du die Situation an und machst das Beste draus? Denn eines ist klar - wenn Du deswegen jetzt sauer bist, wird das die Situation ganz bestimmt nicht verbessern. Es ist nun mal wie es ist - euer Flug hat Verspätung. Und die wird sicher nicht weniger lang dauern, nur weil Du deswegen sauer bist. Deine Reisebegleitung (egal ob Partner*in oder gute Freundin oder guter Freund) hat darauf genauso wenig Einfluss wie Du. Auch Deiner Reisebegleitung wäre es in dem Moment ganz sicher lieber, wenn euer Flugzeug pünktlich abheben würde. Wenn Du also Deinen Frust über die Verspätung an der Person entlädst, mit der Du doch eigentlich Deinen Urlaub genießen willst, machst Du dadurch nichts besser. Ganz im Gegenteil.
Und natürlich gilt das nicht nur im Urlaub. Auch im Alltag haben wir unsere Erwartungen und Vorstellungen davon, wie etwas sein sollte oder wie sich ein bestimmter Mensch verhalten sollte. Und auch im Alltag machen wir uns selbst, und unserem Umfeld, das Leben schwer damit, wenn wir auf enttäuschte Erwartungen mit Wut reagieren und diese Wut an anderen auslassen.
Oft ist es doch ganz einfach so - der/die andere hat schlicht keine Ahnung, was wir uns erwarten würden. Denn sehr viele kommunizieren ihre Erwartungen nicht offen. Ganz oft hört man auf die Frage, ob man denn gesagt hat, was man sich wünscht oder braucht ein "Nein, dass muss er eh wissen". Das das nicht fair ist, erkennst Du bestimmt selbst.
Es ist auch oft so, dass wir ja gar nicht wissen können, was bei der anderen Person, die nicht so reagiert, wie wir das gerne hätten, gerade los ist. Und anstatt einfach mal nachzufragen, verliert man sich in die wildesten Spekulationen. Ein wunderbares Beispiel dafür ist "Die Geschichte mit dem Hammer" aus dem Buch "Anleitung zum Unglücklichsein" von Paul Watzlawick. Vielleicht kommt das auch dem einen oder der anderen von Euch bekannt vor ;-)
Und woher kommen sie nun, diese verflixten Erwartungen, die uns mitunter das Leben schwer machen? Aus ganz unterschiedlichen Ecken schleichen sie sich an. Da ist zum einen der Vergleich mit anderen. Wenn der Nachbar, die Kollegin, die Schwägerin oder der Chef einen so tollen Urlaub macht, dann muss man doch mithalten und auch einen so perfekten Urlaub haben! Schon Sören Kierkegaard (dänischer Philosoph im 19. Jahrhundert) wusste, dass "Der Vergleich der Beginn der Unzufriedenheit" ist.
Dann sind da natürlich noch die sozialen Medien, in denen man perfekte (nachbearbeite) Bilder aus wunderbaren Urlauben, perfekten Familien, immer artigen Kindern, glücklichen Beziehungen, usw. auf Hochglanz poliert vorgesetzt bekommt. Wieviel davon wohl der Realität entspricht? Was denkst Du, was mehr Klicks und "Gefällt mir" bringt? Die ungeschönte Realität? Oder die kurzen, bearbeiteten und gestellten Hochglanzmomente, die ganz direkt Deine Gefühlsebene ansprechen und Dich träumen lassen?
Und nicht zuletzt auch Filme und Romane, die ,zwar manchmal nicht perfekte, aber dafür idyllische Familien an Heilig Abend, Romanzen mit Happy End und alles, was uns sonst noch gut fühlen lässt, zeigen.
Schwierig wird der Umgang mit enttäuschten Erwartungen auch für Menschen, die als Kind nicht gelernt haben, mit Frustrationen umzugehen, oder die eigene Problemlösungskompetenz und Selbstwirksamkeit zu entwickeln. Die Eltern haben es gut gemeint, und alle Probleme für das Kind gelöst und ihm jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Was dabei übersehen wird ist, dass das Kind so eben wichtige Kompetenzen für sein späteres Leben nicht lernen kann, die entscheidend sind, für die Resilienz (psychische Widerstandskraft) und den Selbstwert des heranwachsende Menschen.
All diese Fragen - woher unsere Erwartungen kommen, warum sie oft unrealistisch sind und wie Du besser damit umgehen kannst, wenn Deine Erwartungen nicht eintreffen, sind Thema bei meinem ersten Themenspaziergang in Traun, am 27.09.2025.
Ich freue mich schon auf unseren Austausch zu diesem spannenden Thema und auf eure Erfahrungen und Strategien, wie ihr damit umgeht!
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